Mein Krankenhausaufenthalt Teil 2

Nachdem ich auf die Thorax-Chirurgie verlegt wurde, kümmerte sich direkt eine Krankenschwester rührend um mich. Ich hatte nur eine Frage an sie: “Kommen hier Menschen lebend raus?”
Sie antwortete: “Natürlich, sehr viele sogar.”
Für mich war Lungenkrebs immer eine Krebsart, die sehr schwer heilbar ist. Ich dachte, dass die meisten Menschen daran sterben. Auf der Station lagen sehr viele Patienten. Der Altersdurchschnitt war nicht mal so alt wie ich dachte, es lagen viele Menschen dort, die gerade mal um die 40. Jahre alt waren.

Naja, ich lag nun dort auf dieser Station und wusste gar nicht, wie es weiter gehen soll. Auf einmal ging die Tür auf und eine Handvoll Ärzte stand vor mir. So was macht einem komischerweise echt Angst, denn immer wenn so viele Ärzte auf mich zukamen, dachte ich das sie mir etwas Schlimmes zu verkünden haben.
Dem war diesmal aber nicht so, denn schlimmer konnte es ja kaum kommen. An diesem Tag wollten sich die Ärzte der Station nur bei mir vorstellen, sie waren super nett und einfühlsam. Der Chef der Abteilung hat sich sehr viel Zeit genommen und mir erklärt, dass es sich bei meinem Tumor um einen recht guten handelt, den man sehr gut operieren kann. Er hat mir aber auch gesagt, dass mein Tumor sehr blöd sitzt, und deswegen eine sehr große, komplizierte OP nötig sein wird. In den kommenden Tagen sollten noch sehr viele Untersuchen stattfinden, um zu schauen, ob der Tumor gestreut hat.
Da ich mich noch nie mit dem Thema auseinandergesetzt hatte, fing ich an zu googeln um zu schauen, wie gut die Ärzte dort sind. Ich wusste, dass es in Heidelberg eine Spezialklinik gibt und informierte mich auch darüber. Nach wenigen Minuten googeln, wurde mir schnell klar, dass es das Schicksal gut mit mir meinte. Professor Schirren und sein Team sind deutschlandweit und über die Grenzen sehr bekannt und haben mehr als einen guten Ruf. Die Erfahrungsberichte im Internet waren mehr als positiv und ich konnte nichts Negatives finden. Über Heidelberg hingegen las ich, dass die Klinik mehr Schein als Sein wäre. Ab diesem Zeitpunkt war mir bereits klar, dass ich nicht weiter suchen muss und einfach in dem Krankenhaus bleibe, in das mich das Schicksal sowieso schon geführt hatte.
Nichtsdestotrotz war ich immer noch sehr niedergeschlagen und weinte viel. Am Nachmittag ging die Tür wieder auf und ein Bett mit einer etwas älteren Frau wurde in mein Zimmer geschoben. Ich bekam also wieder eine Zimmernachbarin. Die Frau kam gerade aus dem OP (Bronchoskopie) und das Erste was sie zu mir sagte: “Ich könnte sooooo ein Schwein verdrücken.” Das war der erste Moment, wo ich wieder lachen konnte. Wir stellten uns vor und haben danach viel erzählt. Sie war wie ein Engel, ich kann es nicht in Worte fassen, ich weiß auch nicht, was genau passiert ist, aber ab diesem Zeitpunkt, wo diese Frau in mein Zimmer kam, ging es mir besser. Ich konnte wieder lachen und über andere Themen reden, es war stellenweise echt lustig und wir verstanden uns super.
Naja, die nächsten Tage waren super anstrengend, denn ich hastete von einer Untersuchung zur anderen.
Am Anfang habe ich mir gar keine Gedanken darüber gemacht ob mein Tumor metastasiert hat, Angst hatte ich auch nicht davor. Alles war noch so taub innerlich, die Wahrnehmung für das Ganze fehlte gänzlich.
Nun ja, ich musste ins MRT um zu schauen, ob mit meinem Kopf alles in Ordnung ist. Bei dieser Untersuchung habe ich ein Gitter über den Kopf bekommen, das war schon sehr unangenehm. Der Befund war aber sehr gut, ich hatte keine Metastasen im Kopf. Dann musste ich noch zur Szintigrafie, dies ist ein Gerät wo geschaut wird, dass keine Metastasen an den Knochen sind. Bei dieser Untersuchung wurde mir wirklich übel, denn das Gerät kam soweit runter, das es meine Nasenspitze berührte. Da ich sowieso ein Mensch mit Platzangst bin, war das Ganze alles andere als angenehm. Immer wieder machte ich mir selbst Mut und sagte mir selbst, dass dies jetzt einfach alles sein muss.
Bei dem Befund von der Szintigrafie fing ich wieder an zu weinen denn die Ärzte meinten das in meiner Hüfte und einer Rippe etwas geleuchtet hat. Ich sollte mir zwar keine Sorgen machen, da so etwas schon mal fälschlicherweise leuchtet, dennoch bekam ich Panik, gerade weil Metastasen nicht in meiner bisherigen Denkweise vorkamen. Mit Röntgen und CT wurden dann die zwei Stellen überprüft und zum Glück war es ein falsches Leuchten und ich hatte keine Metastasen an den Knochen.
Zu dem Ultraschall musste ich auch noch, da wurde nach meiner Leber usw. geschaut. Auch hier habe ich mir wieder keine Gedanken gemacht, bis plötzlich der Arzt aufsprang und sagte: “Bleiben sie ganz ruhig, ich hole gerade mein Oberarzt, sie müssen sich aber noch keine Sorgen machen.” Natürlich machte ich mir sorgen, ich dachte, das kann doch nicht sein, was ist denn hier schon wieder los. Der Oberarzt kam und der Assistenzarzt zeigte ihm eine Stelle im Unterleib. Da war irgendwas in einer Größe von 3,6cm. Der Oberarzt kam schnell zu dem Entschluss, dass dies ein Frauenarzt begutachten muss, da er wie auch sein Kollege sich damit nicht auskennen. Ein Tumor schloss er allerdings aus und meinte, dies würde anders aussehen. Diese Aussage beruhigte mich wieder und so ging ich zur nächsten Untersuchung.
Mein Herz wurde noch nachgesehen, sowie ein Lungenfunktionstest gemacht. Die restlichen Untersuchungen waren aber alle bestens und somit kam der Tag der OP immer näher.
Viele werden es nicht verstehen, aber ich wollte diese OP nicht, ich wollte eine Alternative. Sei es Chemo oder Bestrahlung, die Angst vor der OP, war einfach riesig. Die Ärzte verstanden mich nicht und erklärten mir, dass eine OP heilen kann, Chemo alleine nicht. Die OP sei immer die beste Variante und Chemo sowie Bestrahlung kommen nur infrage, wenn man nicht operieren kann. Auch sagten sie mir das mein Tumor auf keine Chemo reagiert und es bei einem Karzinoid einfach keine Alternative zur OP gibt.
Das machte mich einfach fertig und ich überlegte ernsthaft, ob ich wenige schöne Jahre mit dem Tumor lebe, anstatt bei der OP zu sterben.
Meine Familie und die Ärzte stimmten mich aber um und somit stimmte ich der OP mit einem sehr mulmigen Gefühl zu.
Da erst in einer Woche ein OP-Termin frei war und klar war, das mein Tumor nicht gestreut hatte, durfte ich noch einmal nach Hause. Im ersten Moment habe ich mich darüber sehr gefreut, aber zu Hause war die Krankheit allgegenwärtig und ich konnte an nichts anderes mehr denken. So wurde mir aber auch bewusst das die OP sein muss, denn die Jahre mit Tumor, hätte ich auch nicht genießen können.

CT Lunge

MRT Schädel

Szintigrafie Knochen

  1. Auch ich bin an Krebserkrank auf meinem Blog findest du viele Posts dazu wenn du krebs eingibst. Ich kann dich verstehen und habe 33bestrahlungen, 2 chemos und über 30 Operationen hinterm mir. Ich bin seit dezember aus dem Krankhaus mit einem künstlichen Darmausgang und einer großen Wunde.

    Alles gute

  2. Ich habe ein Anlalkrazinom eine seltene Form des Darmkrebses. Mein Tumor saß im Enddarm deswegen wurde mir dieser und der schließmuskel entfernt. Bald ist meine 2te Nachsorge und ich hoffe das alles gut ist. Ich hatte keine Metastasen aber die Lyphknotem im Bereich waren stark vergrößert, durch die Bestrahlung ist da aber alles wieder gut, der Tumot verschwand dadurch leider nicht, so dass ich operiert werden musste.

  3. Ich hatte schmerzen beim sitzen und Blut im Stuhl, der Tumor wurde bei einer Darmspiegelung festgestellt.

  4. neele ♥

    26 April

    Ich wünsche dir ganz viel Kraft – du packst das!

  5. Von mir gute Besserung & ganz viel Kraft! ♥ Du schaffst das, ich glaube fest an dich! ♥

  6. Alles Gute dir und allen anderen, die an Krebs erkrankt sind – und viel Kraft und Stärke! Ich hatte zwei Krebsfälle in der Familie, beide haben es überlebt und der Krebs kam auch nicht wieder, ich hoffe, bei euch verläuft es genauso!

    Alles, alles Liebe,
    Edda

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